Chronik
(Dies ist die leicht bearbeitete Chronik zum 7×11 jährigen Jubiläum. Stand 2003)
Der erste Weltkrieg 1914-1918 hatte viel Elend und Not über die Bevölkerung unseres Landes gebracht. Hiervon wurde auch unser Heimatort Tetz nicht verschont.
Es dauerte etliche Jahre, bis sich das Leben in Tetz wieder normalisierte und die Freude an Gemeinschaft und Geselligkeit sein Wiederaufleben feierte, ganz besonders an den Karnevalstagen.
Im Jahre 1926 fanden sich einige junge Leute zusammen und überlegten, wie man in Tetz Karneval feiern könnte. Es dauerte nicht lange und die Idee zur Gründung eines Karnevalsvereins war geboren. Der Grundstein war gelegt und man gab der neu gegründeten Karnevalsgesellschaft den Namen „Fidele Brüder“ Tetz.
Der Anfang war gemacht und es kam zur Wahl des 1. Vorstandes, der sich aus folgenden Personen zusammensetzte:
1. Vorsitzender: Peter Werker
Präsident: Anton Müller
Kassierer: Josef Esser
Zeremonienmeister: Martin Esser
Prinz Karneval: Hubert Wirtz
Prinzengarde, Kommandeur: Wilhelm Sauer
Leiter der Jugendgruppe: Matthias Kratz
Wie die Gründer unserer Gesellschaft überlieferten, zog morgens bei Prinz Karneval eine sechs Mann starke Wache auf, die sich stündlich ablöste. Gegen 15.00 Uhr setzte sich der erste Rosenmontagszug in Bewegung. Der erste Wagen stand unter dem Motto des Schlagers “Kutt erop,
bei Palms do es de Pief verstopp”. Auf dem Wagen war ein großer Ofen mit einer langen Pief (Ofenrohr) montiert. Diesem Ofen wurde kräftig eingeheizt, so daß der Qualm dementsprechend stark war.
Auf dem zweiten Wagen hatte man eine Wannmühle (Fruchtreinigungsmühle) aufgebaut. Hiermit wurde Spreu-Kaaf durchgedreht, und wehe dem, der seine Fenster unvorsichtigerweise geöffnet hatte!
In bunten Kostümen, mit und ohne Maskerade, zogen Groß und Klein mit. An der Kirche hielt der Zug an. Hier kam es zur Bescherung für die Kinder: Es wurden kistenweise Apfelsinen verteilt. Die Freude der Erwachsenen und ganz besonders der Kinder war riesig, wenn man bedenkt, welche mageren Jahre (Weltkrieg, Wirtschaftsrezession) vorausgegangen waren. Vor der Gastwirtschaft “von Wirth” (heute: Dohmen) löste sich der Zug auf. Jung und Alt zogen in den neuen Saal der Gaststätte, der kurz zuvor erst eingeweiht worden war. Es entwickelte sich ein richtiges Dorffest, bei dem Frohsinn und Lebensfreude vorherrschten.
Um 20.00 Uhr begann der Masken- und Kostümball. Alle Plätze waren besetzt, es spielte die Kapelle “Fidelio” aus Jülich, Leitung: W. Giesen. Die letzten sollen Berichten zufolge erst im Morgengrauen heimgekehrt sein. Dies war der Beginn der “KG Fidele Brüder” aus Tetz Anno 1926. Der “Tetzer Fastelovend” entwickelte sich im Laufe der Jahre immer weiter. Jeder, der Spaß an der Freud` hatte, war begeistert.
Leider wurde dieses schöne Brauchtum durch den zweiten Weltkrieg jäh unterbrochen. Unser Dorf wurde teilweise schwer zerstört, so auch der Festsaal Dohmen. Viele unserer Mitbürger mussten ihre Heimat verlassen und wurden
aus Furcht vor dem herannahenden Feind evakuiert. Nach Ende des Krieges und nach Rückkehr aus der Evakuierung hatte jeder mit dem Wiederaufbau und der Ordnung seines Hab und Gutes zu tun. Jedoch besann man sich schon kurze Zeit später wieder auf den Karneval. Unter schwierigsten Bedingungen fanden unsere ideenreichen Karnevalisten eine Möglichkeit, Fastelovend zu feiern. Anfang der 50er Jahre wurden die Veranstaltungen von der Karnevalsgesellschaft und vom Sportverein gemeinsam abgehalten. Da der Festsaal nicht mehr zur Verfügung stand, wurden unter dem Tor und auf dem Hof der Gastwirtschaft Dohmen Zeltplanen gespannt, worunter sich das Ganze mit Pappnasen und Papiermützen abspielte. Da eine richtige Heizung fehlte, rückte man in einer Ecke des Hofes zusammen, um sich innerlich mit Alkohol und äußerlich durch nahes Beieinandersitzen zu wärmen versuchte.
Die Älteren von Tetz erinnern sich sicher immer noch gerne an den Spitz-Namen dieser Hofe. Im Jahre 1955 war der Saal Dohmen wieder so weit hergerichtet, dass die Festlichkeiten dort wieder abgehalten werden konnten.
Den ersten Versuch eines Rosenmontagszuges nach dem Krieg machten unsere aktiven Mitglieder Peter Becker (†) mit seiner Ehefrau Luise, Heinrich Bohnen (†) begleitet von Willy Seidelmeyer mit Akkordeon. Sie zogen mit einem Handwagen voll Lutscher und Kamellen im Regen durch Tetz und beschenkten die Kinder des Dorfes. Hiermit war der Anfang des Rosenmontags-Zuges gemacht. Jahr für Jahr wurden nun Wagen gebaut. Der Ort wurde größer und größer, der Zug immer länger. Wenn man bedenkt, dass Tetz 1945 nur 460 Einwohner zählte, und bis heute auf ca. 1500 angewachsen ist, musste auch die Karnevalsgesellschaft dem Fortschritt und der modernen Entwicklung Rechnung tragen und sich der neuen Zeit anpassen. So werden inzwischen bei den Rosenmontagsumzügen nicht selten 15 Fußgruppen, 2 Musikkapellen sowie sechs und mehr phantasievolle Motivwagen gezählt. Zahlreiche Zuschauer an den Straßen verfolgen den Aufmarsch der Jecken. Eines haben alle mitgebracht: Massenhaft gute Laune!
Übrigens erhielt unserer Gesellschaft auch erst Mitte der 50er Jahre ihre Farbe: Blau – Gold. Der Vorschlag kam von Herrn Hubert Dohmen, langjähriger Inhaber des damaligen Vereinslokales Dohmen.
Da der Saal Dohmen im Laufe der Jahre entschieden zu klein wurde und um jedem Bürger die Möglichkeit zu geben, unsere Sitzungen und Veranstaltungen zu besuchen, beschloss die Gesellschaft im Jahre 1975 erstmalig ein großes Festzelt zu legen. Der Erfolg gab dieser Entscheidung Recht. 1986 wurde in Tetz die Rurauenhalle eröffnet. Ab diesem Zeitpunkt wurden alle großen Veranstaltungen von den Ortsvereinen und auch der Karnevalsgesellschaft dort durchgeführt. Die erste Sitzung fand am 07.02.1987 statt. Weit über den örtlichen Bereich hinaus bekannt ist inzwischen die Prunk- und Kostümsitzung der KG.
Seit der ersten Sitzung in der Rurauenhalle hat diese Veranstaltung stetig an Zuspruch gewonnen. In der in jedem Jahr ausverkauften Halle sind fast ausschließlich bekannte Kräfte des rheinischen Kölner Karnevals vertreten.
Viele namhafte Künstler gaben hier schon Kostproben ihres Humors und Könnens ab. Aber auch unsere einheimischen Kräfte sind eine feste Größe der Veranstaltung geworden. Eine eigens installierte Beleuchtung – und Beschallungsanlage sorgt dafür, dass den Besuchern nichts entgeht und die zahlreiche Lichteffekte sorgen für ein zusätzliches Spektakel.
Seit Bestehen unserer Gesellschaft bis heute hatten folgende Herren das Amt des Präsidenten inne:
Anton Müller 1926-1939 Peter Werker 1950 – 1963
Jakob Dohmen 1963-1970 Hubert Reinartz 1970
Wilhelm Muckenheim 1971-1986 Willi Sommer seit 1986
Aufgrund des Beschlusses der Mitgliederversammlung vom 12. Juli 1991 wurde unsere Gesellschaft mit Bescheid des Finanzamtes und des Amtsgerichtes
Jülich in einen gemeinnützigen Verein umgewandelt. Dies bringt insbesondere für Gönner unserer Gesellschaft steuerliche Vorteile. Die Zahl unserer Mitglieder ist inzwischen auf 169 gestiegen.
In den letzten zwei bis drei Jahrzehnten hat sich vieles auf der Welt, auch in unserem kleinen Dorf, geändert. Selbst das Vereinsleben hat heute eine andere Bedeutung als früher. Wir werden täglich von den Medien geradezu überschwemmt, die Quantität der sonstigen Vergnügungsveranstaltungen lässt vielen kaum mehr Zeit, sich auf Althergebrachtes (und durchaus Gutes) zu besinnen.
So nahm denn auch die Beteiligung der Bevölkerung am traditionellen Klompenball und am Möhneball an Altweiber immer mehr ab, so dass die Gesellschaft gezwungen war, dieses schöne Brauchtum aus wirtschaftlichen Gründen leider einige Jahre einzustellen. Seit 1996 findet ein Altweiberball
wieder regelmäßig statt. Anfangs noch in der Rurauenhalle und ab 1999 im Pfarrheim findet die Veranstaltung zunehmenden Zuspruch.
Ab dem Jahre 1993 wird in der Rurauenhalle ( bereits zum 11x ) eine Sessions-Eröffnung durchgeführt. Diese meist Ende November durchgeführte Veranstaltung findet immer größeren Anklang in der Bevölkerung. Ein fester Bestandteil ist u.a. die Vorstellung des neuen Sessionsordens der Gesellschaft. Die Ordenssponsoren der letzten Jahre lauten:
Vor 1992 Willi Esser, H. Strahl und U. Dohmen, 1992 Jubiläumsorden, 1993 Heinz Esser, 1994 Pickartzhof, 1995 Heinz Reitz, 1996 Fa. Feiter, 1997 Raiffeisenbank, 1998 B. Menne, 1999 M. Weyers, 2000 G. Grasso, 2001 Fa. Menzel, 2002 Fa. Küppers
Des Weiteren werden bei dieser Veranstaltung traditionell die neuen Tetzer Reiter in das Reiterkorps aufgenommen. Hierbei werden sie mit den Insignien Reiterkorpsmütze und Reiterkorpsorden ausgezeichnet. Das Reiterkorps umfasst inzwischen bereits 25 Mitglieder. Ein weiterer Höhepunkt bei dieser Veranstaltung ist die Proklamation des Dreigestirns der Gesellschaft.
Mit der Session 2001/2002 hatte auch die Dominanz der Herren ein jähes Ende gefunden. Das erste Damendreigestirn der Gesellschaft mit Prinz Wilma I (Bender) hielt Einzug in der Rurauenhalle. Im Jubiläumsjahr folgt mit Prinz Waltraud I (Janknecht) ein weiteres Damendreigestirn.
Im Jahre 1995/96 fand das erste Prinzenbiwak statt. Ab 1998/99 wird diese Veranstaltung unserer Gesellschaft zu Ehren des Dreigestirns regelmäßig veranstaltet, an der zahlreiche befreundete Gesellschaften aus Nah und Fern und inzwischen auch immer mehr Tetzer Bürger teilnehmen. Der Zuspruch zu dieser Veranstaltung stieg kontinuierlich, so dass wir uns im vergangenen Jahr entschlossen haben, die Veranstaltung in der Rurauenhalle durchzuführen.
Im Zuge der Entwicklung der KG Fidele Brüder beschloss der Vorstand 1967, ein Tanzkorps zu bilden. Unserem damaligen Präsidenten Jakob Dohmen und dem 1. Vorsitzenden Wilhelm Muckenheim gelang es, zehn junge Mädchen und eine Tanzlehrerin zu finden, allesamt aus Tetz.
In nur wenigen Monaten wurden der Narhalla-Marsch und ein Charleston einstudiert. Herr Dohmen, von Beruf Schneidermeister, fertigte die Kostüme in den Farben der Gesellschaft an, bestehend aus einem gelben Faltenrock und blauem Jackett mit goldenen Aufschlägen. Zur Komplettierung der Kostüme wurden Dreispitz-Hüte und blaue Stiefel angeschafft. Premiere war anlässlich der Sitzung im Jahre 1967.
Wie sich manche sicherlich noch erinnern, war es im Saal mucksmäuschenstill, als der Narhalla-Marsch ertönte. Die Mädchen verstanden es auf Anhieb, durch einen perfekten Tanz das Publikum zu begeistern. Im Laufe der Jahre wurden immer neue Tänze einstudiert, Jahr für Jahr wurden mehr Auftritte absolviert, u.a. in der Stadthalle in Jülich, im Hause Hesselmann, in der KFA usw. usw.
Mittlerweile ist eine neue Generation der Tanzgarden herangewachsen, neue Kostüme wurden angeschafft und verschiedene Trainerinnen haben im Laufe der Jahre mit viel Arbeit und Geduld ihren Teil dazu beigetragen, dass auch heute noch Tanzgarden bestehen.
Zahlreiche Tanzmariechen haben unsere Gesellschaft in den Jahren bei vielen Auftritten würdig vertreten, wobei Silke Esser mit über 9 Jahren als aktives Solomariechen den einsamen Rekord innerhalb unserer KG hält. Ab der Session 2001/2002 tanzt Stefanie Sommer mit großem Erfolg für unsere Gesellschaft und in diesem Jahr ist Vanessa Corall als „kleines“ Solomariechen neu hinzugekommen. Weiterhin konnten wir erstmals seit der Session 2001/2002 eine Showtanzgruppe darbieten. Die Premiere fand auf der großen Prunk- und Kostümsitzung am 12.01.2002 vor ausverkauftem Hause statt. Die jungen Damen in tollen Kostümen wurden begeistert gefeiert und wir erhoffen noch viele Jahre einen solchen Augenschmaus. Namentlich vertreten wird die Showtanzgruppe durch:
Hanna Haas, Julia Klahre, Sandra Landmann, Claudia Lövenich, Nadine Mainz, Marina Ruhrmann, Stefanie Sommer, Birke von Osten, Andrea Wetzler, Miriam Richartz
Nicht zu vergessen ist unserer Männerballett – „Die Rurhöpper“. In teils wechselnder Zusammensetzung tritt diese Gruppe bereits seit 1981 auf unseren Sitzungen sowie vielen weiteren Veranstaltungen auf. Von den Gründungsmitgliedern sind mit H. Stechemesser, U. Notzon und unserem Vorstandsmitglied J. Beuth noch drei Herren aktiv. Nicht zu vergessen ist die Trainerin – Heike Hribar – die seit Bestehen der Rurhöpper unsere Herren auf Schwung gebracht hat.
Ab September beginnen die Trainingsabende, wobei viel Arbeit und Engagement der Trainerin von Nöten ist, bis die Herren der Schöpfung den letzten Schliff innehaben und graziöse und harmonische Bewegungsabläufe in Fleisch und Blut übergegangen sind. Nicht zu unterschätzen ist die Arbeit für die aufwendigen Kostüme und Kulissen. Nur mit vielen Arbeitsstunden und somit mit viel Freizeit ist solch eine schöne Darbietung möglich. Im Jahr 2002 feierte das Männerballett seinen 22. Auftritt bei der Prunk- und Kostümsitzung der KG!!
Unser Dank gilt allen Mitbürgern, Vereinen und Gruppen, die aufgrund ihrer Teilnahme dazu beigetragen haben, dass unsere Veranstaltungen erfolgreich durchgeführt werden konnten.
1926-2003: 7mal 11Jahre bewegte und unterschiedliche Erlebnisse in der Geschichte unseres Heimatortes und der Gesellschaft. Durch die Erinnerung wird die erlebte Freude der vergangenen Jahre in die Gegenwart geholt und noch einmal zur Freude. So soll auch das Jubeljahr seinen Sinn und Zweck erfüllen, nämlich Frohsinn und Freude bereiten und Brücken schlagen zu den alten Freunden, Neubürgern und Gästen aus Nah und Fern.
Mögen die Jubiläumsfeierlichkeiten die verbindenden Gemeinsamkeiten weiterhin festigen und für unvergessliche schöne Stunden in Tetz sorgen.