Geschichte des Reitercorps

Tetzer Reiter und ihre Enkel……

„Herr Bischof, wir sind die Reiter von Tetz und Ihnen entgegen gekommen, um das Fest zu vernettern und die Preise zu schnützen (einzuheimsen)“

Der Ballast der ironischen Bemerkungen anlässlich der Begrüßung des Bischofs durch die Tetzer Abordnung war niemals vorhanden und entspricht laut Aussagen von damaligen Zeitzeugen gar nicht der Wahrheit.

Was war wirklich geschehen?

Die Legende beruht in ihrem Kern auf einem Ereignis, das anlässlich eines Bischofbesuches etwa in den zwanziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts zu datieren ist. Im Nachbarort Broich waren die Feierlichkeiten der bischöflichen Visitation, wie diese auch heute noch im fünfjährigen Turnus in allen Pfarreien stattfindet, beendet, und der Bischof wurde nach der Verabschiedung von den Broichern bis an die Gemeindegrenze von Reitern begleitet. Diese waren meist junge Bauernsöhne, die bei örtlichen Festlichkeiten mit ihren geschmückten Pferden dem Gesamtbild der Veranstaltung ein besonderes Gepräge gaben. Das geschmückte Ross war übrigens auch bei der Brautwerbung ein unverzichtbares Attribut und der Stolz des jungen Mannes. Nun sollte die Fortsetzung des Bischofbesuches im benachbarten Tetz erfolgen. An der Gemeindegrenze standen – wie auch andernorts üblich – empfangsbereit die Reiter von Tetz. Und da ereignete sich in dem sonst so stillen dörflichen Umfeld und Alltag das lokalhistorische Faktum, welches heute noch in der mündlichen Überlieferung, genauer in der Legende, fortlebt unter dem Panier (Banner) der “Reiter von Tetz”. Aktenkundliche Hinweise über dieses Ereignis sind nirgends zu finden. Frühere Recherchen können das Dunkel der Vergangenheit nur wenig erhellen.

Begleitet von den Broicher Männern erreichte das bischöfliche “Automobil” damaliger Bauart die Gemeindegrenze beim Hagelkreuz. Beim Knattern der Bremsen scheute ein Pferd, der Sattel verrutschte, der Reiter konnte nur schwerlich seine Haltung bewahren.

Ein junger Mann, der einige lateinische Verse zitieren sollte, konnte diese erst später vortragen wegen der allgemeinen Erregung. Die Tetzer – Reiter und Radfahrer – begleiteten nun den Bischof bis zur Pfarrkirche, wo die liturgische Feier beginnen konnte. Inzwischen war die Broicher Abordnung zunächst heimgekehrt, hatte die Pferde versorgt, um sich dann eilends nach Tetz zu begeben.

In der Gaststätte labte man sich nun nach vollbrachter Tagesarbeit samt ehrenvollen Verpflichtungen. Inzwischen hatte auch die Tetzer Reiterei ihren offiziellen Verpflichtungen Genüge geleistet, und danach wollte man ebenfalls noch einmal den gesamten Verlauf besprechen und schließlich den Tag gebührend beenden. In der Gaststätte wurden sie aber sogleich von den Männern aus Broich lautstark begrüßt mit dem Zuruf:

„Da kommen die Reiter von Tetz”.

Dieser Slogan blieb bis heute in der mündlichen Überlieferung erhalten. Neue Vokabeln oder Aussprüche, die diesem oder jenem zugeschoben werden, mögen sie noch so einfallsreich sein, können den tatsächlichen Hergang nicht rekonstruieren.

Mag diese Legende sich erhalten oder wie eine Wellenbewegung ausweiten, sie gewinnt trotz unsinniger verbaler Zutaten nicht mehr an Wahrheit.

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